Archiv der Kategorie 'Plattenkritik'

Plattenkritk: Dennis Lisk – Suchen & Finden

Dennis Lisk sez: „Es fühlt sich richtig an. Es wird Zeit.“ („Blick nach vorn, Schau zurück“, Suchen & Finden, 2009, Four Music/Sony BMG)

dennis lisk

Johanna sez:

Für sein neues Album hat Denyo deutlich mehr abgelegt, als nur seinen Namen. Denn Dennis Lisk ist kein Rapper. Sänger will er sein, das macht schon die Single „Lass los“ deutlich. Leicht könnte man ihm jetzt einfach unterstellen, er wolle auf den Singer-Songwriter-Zug Cluesos aufspringen. Der Sound weist bestechende Ähnlichkeiten auf, beide sind bei Four Music unter Vertrag. Natürlich könnte man auch mutmaßen, Dennis wolle nach dem mäßigen Erfolg seiner beiden Vorgänger-Soloalben auch endlich mal die Kasse klingeln lassen sowie Beginner-Kollege Jan Delay.

Doch wer „Suchen & Finden“ hört, weiß, dass das Dennis Lisk auf diesem Album einfach er selbst ist, vielleicht sogar viel mehr als zuletzt auf „The Denyos“. Ehrlich, authentisch und kein bißchen aufgesetzt überzeugt „Suchen & Finden“ davon, dass Denyo vielleicht mehr geändert hat als nur seinen Namen.

Die Texte hat Dennis allein geschrieben. Bei der Musik hat er sich helfen lassen, was sich eindeutig gelohnt hat, denn „Suchen & Finden“ besticht in erster Linie durch perfektes Arrangement, dass über leicht reggae-lastige, funky Rhytmen bis  zum klassischen Junge-mit-Gitarre-Sound alles bietet. Für die erstklassige Produktion hatte man sich schließlich auch Moses Schneider an Bord geholt (Beatsteaks, Tocotronic). Da überhört man auch die ein oder andere allzu kitischige Zeile („deine Tränen schmecken süß wie Pistazien“) mit einem kurzen gequälten Schulterzucken.

„Suchen & Finden“ ist nichts für den fanatischen Hip Hopper, aber für alle die trotz der Liebe zum Rap mal über ihren Horizont hinaus schauen wollen und ein Album suchen, zu dem man wunderbar an Sommerabend entspannen oder auch hervorragend unterwegs sein kann. Ich wünsche Denyo als Dennis Lisk auf jeden Fall viel Erfolg, nicht nur weil ich es ihm von Herzen gönne, nicht nur weil er Mut bewiesen hat, sondern vor allem, weil er es verdient hat.

Interview, Reinhören, Kaufen

Introducing: Twisted

Twisted sez: „Ey Gusto, mit 30 sind wir im Hip Hop schon alte Knacker, wir sind so lange dabei, da hießen wir noch Motherfucker.“ („Alte Hasen“, Das zweite Gesicht, 2009)

Johanna sez:

Wir Exil-/Wahl-/Ur-Norddeutschen wissen es alle: Die Wiege des exzellenten Hip Hops liegt weder in irgendeinem Ghetto in Übersee noch in diesem oder jenem Problemviertel der Hauptstadt, der beste Hip Hop kommt seit jeher aus Gefilden nördlich der Elbe. So findet auch das Debütalbum „Das zweite Gesicht“ der Jungens von Twisted seinen Weg aus dem Sylter Studio auf meine Festplatte.

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Von dort brennt es sich direkt in mein Herz und meine Ohren. Denn „Das zweite Gesicht“ bietet alles, was man sich von einem intelligenten, deutschen Hip Hop nur wünschen kann. Die clever gemixten Tracks bringen mich als Beat-Fetischist ein ums andere Mal zu seligem Schmunzeln und auch die Lyrics beweisen, dass derbe dennoch clever sein kann. Man merkt sofort hier hat sich jemand wirklich Mühe gegeben und viel Zeit investiert. Selten hat Oldschool so fresh geklungen!

twisteddownloadTwisted: „Ehrlich verlogen, genial asozial, Liebe und Hass, todernst und albern, kompromisslos diplomatisch, weinen und lachen, einfach komplex, Wahrheit und Fiktion.“

Und so viel Spass ganz umsonst! Runterladen! Weitersagen! Jetzt! Sofort!

Dank auch an das Entführungsopfer spanksen für den Diebstahl!

Twisted Home. Twisted myspace.

Plattenkritik: Asher Roth – Asleep in the bread aisle

Asher Roth sez: „Take me as I em my friend.“ („As I Em“, Asleep in the bread aisle, 2009, Universal)

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Johanna sez:

Einmal den iTunes-Store für ein ganzes Album genutzt und schon bereue ich es, dass ich zu faul war den Platten-Dealer aufzusuchen, denn Asher Roths „Asleep in the bread aisle“ will ich mir bereits nach dem ersten Track wirklich gerne ins Plattenregal stellen.

asherDas Album wurde besonders in den USA dank kostenintensiver Unterstützung von Universal als das „next big thing“ gehypt (Fake-Spot mit Ben Stiller, Leonardo di Caprio, Tom Cruise, Scarlett Johannson, Julia Roberts uvm. ansehen!). Natürlich fällt es bei derart „hochkarätiger Lobhudelei“ schwer den überzogenen Erwartungen zu entsprechen. Doch zum Glück hält sich Asher damit gar nicht großartig auf, ist einfach er selbst und das überzeugt!

„Asleep in the bread aisle“, das über weite Strecken von Producer Newcomer Oren Yoel entwickelt wurde,  ist sicher kein Album, dass mit fein ausgetüfftelten Beats oder verkopftem Sound aufwarten kann. Die Tracks als wirklich abwechslungsreich zu bezeichnen, wäre mit Sicherheit auch gelogen. Und trotzdem überzeugt das Gesamtkonzept vom ersten Song an und mit jeder gehörten Minute immer mehr. Denn die simple, intrumentale und gitarrenlastige Komposition lässt Roth viel Spielraum für seine Texte und genau durch die glänzt „Asleep in the bread aisle“.

lark-on-my-go-kartAsher ist kein Gangsta und kein Straßenjunge, er ist ein Mittelklasse-Collegeboy, der Geschichten aus seinem Leben erzählt. Dass es dabei gelegentlich einfach ums Party machen und kiffen geht, verzeiht man Roth gerne dank seinem Wortwitz und seiner amüsanten Selbstironie (Cartoon zu Lark in my go-kart ansehen!). Hier liegt auch genau der grundlegende Unterschied zu Rap-Kollegen Eminem, mit dem Asher zu Unrecht häufig verglichen wurde. Denn während Mr. Mathers auch nach Jahren wieder mit dem alten pseudo-witzigem Getue, um die Ecke gebogen kommt, ist Roth einfach überzeugend er selbst.

Natürlich hat man bei Universal auch im Hinblick auf die Kooperationspartner nichts dem Zufall überlassen und so wurde „Asleep in the bread aisle“ u. a. durch Gastauftritte von Cee-Lo („Be by myself“), Keri Hilson („She don’t want a man“), Busta Rhymes („Lion’s roar“) veredelt.

Doch abgesehen von diesem ganzen Trubel um den nächsten großen weißen Stern, am Rap-Himmel, ist „Asleep in the bread aisle“ einfach ein gelungenes, unterhaltsames, authentisches Album, dessen Kauf sich in jedem Fall lohnt.

Kaufen beim amazon, Reinhören bei myspace, Asher Roth zu Hause besuchen

Autumn Love: Pete Philly & Perquisite

Pete Philly and Perquisite sez: „If there’s anything good to say about me“ („Gratitude“, Remindstate, 2007, Anti/SPV)

Johanna sez:

Ja, Pete Philly & Perquisite waren schon meine Sommerliebe. Da ich die beiden aber für musikalisch ausgesprochen wertvoll und zudem für jede Jahreszeit geeignet halte, nun nochmal.

Als ich vor kurzem durch die Dubliner Innenstadt flanierte. Betrat ich genau einen einzigen Plattenladen. Eigentlich eine Verschwendung, denn in Dublin gibt es Plattenläden wie hier in unserer schönen Hauptstadt Dönerbuden, doch ich hatte bereits Geld in Schuhe und anderen Plunder investiert. So war es ein großer Zufall und wie sich zeigen sollte eine überaus glückliche Fügung, dass ich in eben jenem Geschäft, das Pete Philly & Perquisite Remix-Album „Remindstate“ fand. Ich hatte bislang gar nicht gewusst, dass es von dem Erstlingswerk der beiden Holländer „Mind.State“ auch eine Remixversion gibt.

Auf „Remindstate“ lässt sich Perquisite bei den Beats mal wieder so richtig schön gehen. Petes Lyrics sind sicher raptechnisch nicht allzu anspruchsvoll, aber dafür kann der Junge auch recht ordentlich singen. Hiermit möchte ich euch also „Remindstate“ neben „Mind.State“ und nicht zu letzt dem wunderbaren Album „Mystery Repeats„, das ich nach wie vor liebe, ans Herz legen.

Wer die beiden live sehen möchte kann dies kommenden Freitag (24.10.) in Berlin, im Lido (wo ich natürlich auch anwesend sein werde). Weitere Tourdaten findet ihr hier.

Reinhören hier oder über Myspace!

Plattenkritik: The Game – L.A.X.

The Game sez: „California ani’t a state it’s a army.“ („State of Emergency“, LAX, 2008, Interscope/Universal)

Johanna sez:

Eigentlich war ich bislang kein großer Fan von Game, da er für mich immer einer der etwas all zu harten Knaben, die zum Lachen ganz, ganz weiten hinten in den Keller gehen, war. Doch da die finanzielle Talfahrt der letzten Zeit kürzlich ausgebremst wurde, war es endlich mal wieder Zeit für eine neue Platte und da L.A.X. letzten Freitag erschien, dachte ich mir, warum nicht einen Versuch wagen.

L.A.X. ist Games drittes Album und wurde trotz langem hin und her nicht von seinem einstigem Mentor Dr. Dre produziert. Mitgemischt haben hier u. a. Scott Storch, J. R. Rotem, Cool & Dre und bei „Angels“ sogar Kanye West. Die Liste der Features ist unglaublich lang. Kaum ein Track, den Game allein bestreitet, so geben sich beispielsweise Common, Ludacriss, Lil’ Wayne, Ne-Yo, Kesyhia Cole, Icecube, Raekwon, Nas und einige mehr das Mikro in die Hand.

Die Beats sind in ihrer Grundstruktur monoton und schlicht, wobei häufig gewöhnungsbedürftige 80er Synthesizer-Sounds eingestreut werden. The Game rappt, wie bei Songtiteln wie „State of Emergency“ und „Bulletproof Diaries“ zu erwarten, überwiegend über den harten Gangsta-Alltag der Strassen L.A.s. Dabei verwickelt er sich mitunter in ungünstige Schüttelreime, wie beispielsweise „I come from the bottom and they call me „the game“, but i’m just happy that Beyoncé knows my name.“ („Ya heard“ feat. Ludacris).

Highlights des Albums sind für mich eindeutig das etwas entspanntere „My Life“ mit Lil’ Wayne, „Cali Sunshine“ mit Bilal, dass an sonnigere Tage im Westcoast-Hip-Hop erinnert und das aggressive „House of Pain“, einer der wenigen Tracks durch die sich The Game alleine schlägt. Bei „Gentleman’s Affair“ nervt mich allerdings Ne-Yos R’n B Gejaule zu sehr und den Gentleman werde ich Game einfach nie abkaufen.

L.A.X. schafft es irgendwie stumpf, monoton und abwechslungsreich zugleich zu sein und gewinnt mit mehrmaligem Hören nach und nach immer mehr meine Gunst. Wer sich also gerne mal auf ein wenig dreckigen Gangsta-Rap einlassen möchte, kann es mit L.A.X. versuchen. Alle anderen sollten lieber die Finger davon lassen.

Was sich The Game allerdings bezüglich es Covers gedacht hat, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben.

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