Archiv für 2. August 2008

Hinter der Kuh

Hans-Peter sez: „Last night my little dancer, came dancing to my door. (…) With a rebel yell, she cried More! More! More!“ („Rebel yell“, Our happy hardcore, 1996, Edel, Original: Billy Idol, 1984)

Johanna sez:

Kürzlich übermannte mich die Erkenntnis, dass es mit dem Hip Hop doch alles nicht so das Wahre ist und ich beschloss Techno-Fan zu werden. Zur Einstimmung erschien mir der Besuch eines Scooter-Konzerts passend. Nun gut, tatsächlich war es so, dass der Liebste aufgrund gradezu heldenhaften Einsatzes einen Gästelistenplatz fürs Scooter Open Air in der Zitadelle ergaunert hatte. Leider war er selbst nicht abkömmlich, so dass ich spontan in die Bresche sprang.

Bereits auf der Bahnfahrt Richtung Spandau, wurde mir klar, dass dies kein normales Konzert werden würde, als ich das mir gegenüber sitzende Paar beobachtete, die beide ein Scooter-Shirt mit der Aufschrift „Lass uns tanzen oder ficken oder beides“ trugen (dieses texterische Meisterwerk sollte ich den Abend über noch häufiger zu Gesicht bekommen). Zudem hatte er eine Tatoowierung auf dem Unterarm: „SCOOTER Always Hardcore“!

In der historischen Umgebung der Zitadelle angekommen, überbrückte ich die anfallende Wartezeit damit das ein oder andere Bierchen zu genießen und das Publikum genauer unter die Lupe zu nehmen. Versammelt waren sämtliche Alterklassen von 10 bis 70. Harz-IV-Epfänger, Bauarbeiter, Friseusen Seite an Seite vereint mit Bürokauffrauen, Akademikern und Beamten. Hardcore-Fans mit Scooter-Shirts und H.P.-Frisur und ganz normal erscheinende Leute wie ich. Aus ganz Europa waren sie angereist!

Die erste Vorband um Frontfrau Sarah Walker gab sich zwar große Mühe, aber irgendwie wollte der Funken nicht so Recht auf die wartende Masse überspringen. Derweil rutschte ich irgendwie in eine Unterhaltung mit dem zahnlosen, zugedrogten Frank, der mir erklärte, dass ich unbedingt am 01.09. zu Schiller gehen müsste. Äh, eher nicht Frank. Frauenarzt schaffte es dank dem ausgesprochen niedrigem Anspruch seiner Atzenmusik dann doch noch das Publikum zu begeistern.

Inzwischen hatte ich mich auch vor der Bühne im guten Mittelfeld positioniert und es war langsam deutlich zu spüren, dass die allgemeine Anspannung parallel mit dem Alkoholspiegel anstieg. Die „Dö, dö, dö, dödö, dödödö, dö, dö, dö, dödö, dödödö“-Rufe wurden deutlich lauter und dann irgendwann war es endlich so weit! Es begann alles schon mal sehr 90er mäßig mit einem 5 minütigen Lasershow-Intro, dass man heute sicher auch nicht mehr so häufig sieht. Gott sei dank habe ich nicht mein Augenlicht verloren und konnte so den Rest des Spektakels ungehindert genießen. Das war vielleicht was! Hans-Peter rockte 1 1/2 Stunden die Massen! An Pyro-Show wurde nicht gespart. Fast alle großen Hits wurden ausgepackt und bei Scooter kann man ja auch immer gut mitsingen auch wenn man nur eine Textzeile kennt (mehr gibt es ja selten). Ich weiß nicht, ob es am 3., 4. oder sonstwievielten Bier lag oder an der reizenden Gesellschaft meiner Tanzkumpanen, aber es war einfach großartig! Selten habe ich bei einem Konzert so viele Menschen so glücklich und ausgelassen herumspringen und feiern gesehen!

Zusammenfassend kann man es einfach nicht beschreiben. Das glaubt einem ja ohnehin niemand, im Nachhinein kann ich es mir ja auch nicht mehr erklären. Das muss man erlebt haben!

Nächste Auftritte: 08.08. Bonn, 14., 15.08. New York, 16.08. Hartford, Connecticut, 23.08. Herford


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