Beatsteaks sez: „After you laid off your medication. I feel hungover, cut the connection. I got no reason to communicate.“ („Ain’t complainig“, Smacksmash, 2005, Epitaph/Warner) *
Melissa Fruitkiss sez:
Auf Wunsch einer lieben Freundin hin, habe ich mich vor einer Weile bei Facebook angemeldet. Eigentlich brauchte ich ja nicht noch mehr web 2.0 auf meiner Liste, doch hatte ich sie zuvor genötigt, sich bei twitter anzumelden und war somit im Zugzwang. Zeit für ein Resumee:
Nach etwa 8 Wochen Facebook, habe ich sage und schreibe 10 11 (seit gestern, da Markus Kavka zugestimmt hat, sind wir ab jetzt auch befreundet) „Freunde“. In Facebook-Maßstäben bin ich damit ein vollkommener Sozialkrüppel. Nun haben wir ja aber alle bereits beim meinVZ (formally known as studiVZ) gerlernt, dass „Freunde“ gar nichts mit Freunden zu tun haben. So sind 90% meiner meinVZ-“Freunde“ Menschen mit denen ich mir schon während der Schulzeit nichts zu sagen hatte. Trotzdem 11 „Freunde“ sind zwar eine Fussballmannschaft, dennoch wirklich deprimierend wenig auch wenn sie teilweise prominent sind. Leider haben die meisten meiner Freunde nach meinVZ ihre web 2.0 Karriere an den Nagel gehängt und Bekanntschaften in Übersee habe ich eigentlich nicht.
Doch das Sammeln von „Freunden“ ist ja längst nicht alles, was Facebook einem zu bieten hat. Was dem meinVZ die ach-so-lustig-betitelten Gruppen, sind dem Facebook die Anwendungen (wieso es dafür keine neudeutsches Wort gibt, ist mir ein Rätsel). Selbstdarstellung braucht schließlich einen geeigneten Rahmen.

Die erste Anwendung, die mir ins Auge fiel, war „Friends for Sale!“. „Buy and sell your friends as pets!“ Menschenhandel, goes web 2.0? Nun gut 11 „Freunde“ sind vielleicht nicht die Welt, aber deswegen gleich welche kaufen. So verzweifelt bin ich Gott sei dank bis heute nicht.

Überrascht war ich auch, als ich plötzlich ein Bier geschenkt bekam. Das war natürlich nett, aber leider saß ich trotzdem zu Hause noch auf dem trockenen. Desweiteren erfuhr ich in der darauffolgenden Zeit, dass mein Strippername „Melissa Fruitkiss“ ist und bestimmte mit dem „Stuff white people like“-Test, dass ich offiziell nicht weißer Hautfarbe bin. Eine Information, die ich weder bestätigen kann (ich meide direktes Sonnenlicht und verlasse aus Angst vor Falten nur mit LSF 30 das Haus), noch bin ich mir klar über ihre Aussagekraft.

Mit Hilfe des „Travel Brains“ bestimmte ich, dass ich sage und schreibe 2 % der Welt bereits bereist hatte. Nun gut, ich würde mich auch nicht grade als übermäßigen Weltenbummler bezeichnen, allerdings hatte ich bis dahin dennoch irgendwie angenommen, schon ein wenig rumgekommen zu sein. Aber 2 %?! Dass mein Besuch in Bielefeld nicht grade die ausschlaggebende Fläche beigetragen hatte, war ja klar, aber immerhin hatte ich Niesgrau eingegeben einen beschaulichen Ort bereits halb in Dänemark, an dem ich 2 Monate zu einem Praktikum gestrandet war. Das hätte man mir doch hoch anrechnen müssen!

Doch es sollte noch viel schlimmer kommen: Der „Advanced Personality Test“! Nachdem ich mich einige Minuten durch nie enden wollende Fragen gequält hatte, sah ich das ernüchternde Ergebnis vor mir. Dass ich in puncto „Indie“, „Religious“ und „Artistic“ extremst schlecht abgeschnitten hatte, war für mich ja noch zu erwarten gewesen. Dass ich allerdings derartig viele Punkte bei „Need to dominate“, „Materialsm“ und „Conflict seeking“ erreichte, erschreckte mich dann aber doch schon etwas. Die schönsten Stellen der Gesamtauswertung: „you enjoy a little bit of violence, discord, and trouble making“, „not very romantic, eh?“, „Maybe you should consider caring more about the world you live in“.
So gesehen wundert es mich, dass ich überhaupt 11 „Freunde“ habe.
*Ich hoffe ihr verzeiht mir, dass das Zitat aus aktuellem Anlass heute mal nichts mit dem Inhalt den Post zu tun hat, sondern sich auf die kürzlich hier veröffentlichten Kommentare bezieht.
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