Amy Winehouse sez: “When you walk in the bar, and you dressed like a star, rockin’ your F me pumps.” (”Fuck me pumps”, Frank, 2004, Mercury/Universal)

Johanna sez:
Am vergangenen Wochenende stieg ich todesmutig in den ICE Richtung Frankfurt. Mit an Bord die aktuelle Ausgabe der Cosmopolitan, da ich die anfallenden 4 Stunden Fahrzeit immer gerne mit anspruchsvoller Lektüre verbringe und wenn ich schon bei Tempo 300 entgleisen sollte, dachte ich mir, will ich vorher wenigstens über die heissesten Sex-Spiele des Sommers Bescheid wissen.
Nach etwas über einer Stunde, hatte ich mich durch die 162 Frauenunterhaltung gekämpft und fühlte mich psychisch und physisch ausgelaugt. Nicht nur, dass ich erfahren hatte, dass Ludacriss und Tommy Lee ab 3.8. durch die USA reisen, um für eine bessere Welt zu kämpfen (”Battleground Earth”, US-Sender Green Planet) und das Charlotte Roches Ekelwerk “Feuchtgebiete” seit April auf Platz 1 der Bestsellerliste trohnt (mich trifft keine Schuld!), nein, einiges mehr lastete mir auf der Seele.
Die Klamotten, die ich mir würde kaufen müssen, um auch nur halbwegs mit dem Trend zu gehen, erforderten, entweder einen sofortigen Lottogewinn, einen Banküberfall oder ich müsste einen größeren Kredit aufnehmen.
Auch würde ich wohl meine Beziehung aufgeben müssen, da die beiden anscheinend akzeptablen Optionen für heisse Sommer-Sex-Spiele einerseits Sex mit einem völlig Fremden und Sex im Büro mit einem Kollegen darstellten. Da im selben Artikel aber auch vor Single-Party gewarnt wurde (”Vierteilen oder Teeren und Federn, sind für Anfänger. Fortgeschrittene gehen zu Single-Partys.”), entschied ich mich dann aber doch den Liebsten vorerst nicht an den Nagel zu hängen.
Leicht würde jedoch auch das nicht, wie ich im folgenden Hintergrundbericht zum Thema “Wer liebt mehr?” erfuhr. “Deshalb ist es umso wichtiger eigene Spielregeln zu entwickeln, (…) die zwar Raum für individuelle Entwicklung geben, aber trotzdem ein starkes Gemeinschaftsgefühl entstehen lassen.” Um dieses kryptisch klingende Ziel zu erreichen, gilt es “Bedürfnisse zu formulieren”, “Pflichten zu teilen” und “aufmerksamer zu werden”. Puh!
Auch im Bereich “Freundschaft” geht es kaum entspannter zu. Offenbar gibt es auch hier Spielregeln einzuhalten, 7 an der Zahl! So sollen trotz Stress und Zeitmangel die wertvollen Freundschaften via Telefon, E-Mail und Facebook gleich multimedial gepflegt werden. Vielleicht kann ich das ja parallel machen, während ich die 33 Tipps abarbeite, die mir auch während der heissen Sommermonate (die Redaktion schreibt offensichtlich von Mallorca aus) einen strahlenden Teint und faltenlose Bräune bescheren werden.
Immerhin spare ich Zeit und Geld fürs Essen, denn wenn ich in der aktuellen Designerware so gut aussehen will, wie die Cosmopolitan-Model-Elfen, sollte ich es vorher mindestens auf Kleidergröße 34 schaffen. Zum Glück werden unter dem Titel “Denken sie sich schlank” gleich wertvolle Tipps zu diesem Thema geliefert.
Abschließend verrät mir mein Horoskop noch, dass ich Anfang August kosmisch grünes Licht für mehrere Männer gleichzeitig habe. Die Sterne raten mir offenbar zu 2 bis 3 Affären. Das wird den Liebsten zwar nicht begeistern, aber vermutlich hat der mich nachdem ich als schlank gedachter Hungerhaken in überteuerter Armani-Kutte mit absurd geformten Pumps durch unsere Wohnung stolpere, während ich mit meinen Freunden twittere und zeitgleich mich ihm über die Stärke unsere Gemeinschaftsgefühls sprechen möchte, ohnehin verlassen.
Naja, dann finde ich ja in der nächsten Cosmopolitan “Alles was Single-Frauen wissen müssen”…

Oh wie ich es liebe, wenn jemand so humorvoll eine dieser Idiotenzeitschriften auseinandernimmt.
Dann doch lieber Bunte, da hat man wenigstens viele Bilder von Stars in Kleidern, die man sich auch mit Kredit nicht leisten könnte und Frisuren wie sie mal trendig werden könnten.
Gut behälst Du Deinen Schatz doch noch!
Ich denke doch. Das mit dem schlank denken klappt ohnehin nicht.
Vielleicht sollte ich mir für die Rückfahrt die Bunte besorgen.
Und ich frage mich immer, wer liest diese ganzen Zeitschriften eigentlich. Nene, dann doch lieber den kicker