Johannas kleine Hip Hop Schule Teil 2 – Der Rapper und der liebe Gott

Outkast sez: “God come in. Damn you’re a girl!” (”God”, The Love Below/Speakerboxxx, 2003, Arista/Sony BMG)

Johanna sez:

Wenn ein Rapper mit einem Preis ausgezeichnet wird, wem dankt er dann zuerst? Seiner ihn liebenden und unterstützenden Familie, seinen Fans? Nein, er dankt Gott! Im Gegensatz zu den oben zitierten Outkast haben die meisten amerikanischen Hip Hop Künstler dabei eine recht konservative Vorstellung von Gott, so ist überwiegend die Rede vom “Lord” oder “Father” . Ob letzteres darauf zurückzuführen ist, dass es im Gegensatz zur Mutter meist an einer prominenten Vaterfigur mangelt, kann nur gemutmaßt werden.

Die Liste der Hip Hop Tracks, die sich mit dem Thema Gott befassen ist lang, genannt seien beispielsweise Kanye Wests “Jesus Walks”, Talib Kwelis “Hostile Gospel” und Commons “Geto Heaven” oder “The Sun God”. Der Schluss, dass hier musikalischer Ablasshandel betrieben wird, um unchristliches Verhalten wieder auszugleichen und so auf dem Sündenkonto wenigsten die groben Verfehlungen abzutragen, liegt nahe. So bemerkt auch 2pac richtig: “Only God can judge me”. Hoffen wir, dass es das Urteil positiv für ihn ausgefallen ist.

Manch ein Rapper geht noch ein bißchen weiter in seiner Gottesfürchtigkeit und ist zeitgleich Rapper und Reverend, wie beispielsweise Reverend Run (Mitbegründer von Run DMC), der inzwischen auf MTV in Run’s House nun nicht mehr nur seiner Familie sondern auch dem Rest dem Welt predigt. Auch MC Hammer ging nachdem er 1997 bankrott war, zu mindest in puncto Seelenheil sicher und predigt mittlerweile sogar im amerikanischen Fernsehen. Raplegende Kurtis Blow studierte Theologie und predigt inzwischen in Harlem in Hip Hop Gottesdiensten: “Gott hat mir die Kraft gegeben, mich von einem Sünder zu einem Christen zu wandeln, wie Saulus zum Paulus. Diese Erfahrung will ich weitergeben.” (spiegel-online.de)

Doch wie sehen Christen die Präsentaion des Glaubens im amerikanischen Hip Hop? Hier sind die Lager gespalten. Einerseits findet es der Christ wenig gerechtfertigt wenn Lil’ Wayne Gott dankt und trotzdem Zeilen wie “Shawty wanna lic-lic-lic-lick me/Like a lollipop” rapt. Unter hartgesotteneren Gläubigen wird jegliche Verbindung von Hip Hop und Christentum abgelehnt, da Hip Hop von Afrika Bambaata mitbegründet wurde, der zu seiner Zulu Nation predigte. So heisst es “How can we as believers hold on to this culture when it’s rooted in witchcraft and vodoo?” (Exministries.com)

Andererseits gibt es zahlreiche Christen, die Hip Hop nutzen, um jungen Menschen für den Glauben zu begeistern, wie z. B. in der Crossover Church in Tampa, Florida, wo Hip Hop Gottesdienste abgehalten werden. “I’m not ready to give poetry, creativity and visual expression up to the forces of evil when they can be used for God” sagt Reverend Efrem Smith, der Hip Hop Gottesdienste in Minneapolis hält und Autor des Buches “The Hip Hop Church” ist. Unter christianmusic.com findet man Künstler, die als glaubenstechnisch korrekt empfohlen werden. Musikalisch erscheinen diese allerdings zu mindest fragwürdig…

Doch auch hierzulande ist es um die Spiritualität im Hip Hop weit verbreitet. In Hessen wird Rap-Urgestein Moses Pelham ganz nachdenklich während er auf seiner 2006 erschienen Single “Gott liebt mich” gleich in 12 verschiedenen Remixes folgendes zum besten gibt: “Gott liebt mich, aber er liebt dich auch. Ich frag mich ehrlich gesagt wieso, aber ich krieg’s nicht raus.”

Der Berliner Godsilla rapt auf dem Album “City of God” trotz Anspielungen im Künstlernamen und Albumtitel, dagegen wenig christliches, besinnt sich dann aber bei “Das Wunder vom Blog” doch kurz: “Ich danke Gott dass ich hier lebe. Wenn du den Smog nicht gewohnt bist Junge dann zerplatzt dein Schädel.” Tja, Gott ist eben nicht immer gnädig. Sido dankt Gott auf seinem neuen Album “Ich und meine Maske”: “Das ist kein Schlüssel zum Himmel, ich will nur Danke sagen, dafür, dass Du mir zeigst, ich brauch keine Angst zu haben.”

Im Süden Deutschlands geht es beim Thema Gott etwas reggaebehafteter zu. So rappen Blumentopf gemeinsam mit Clueso: “Jah ist mein Manajah, er macht die Verträge klar. Jah ist mein Manajah, wenn er einverstanden ist, dann unterschreib ich da.” (Gern geschehen, 2003)

Im hohen Norden betet Jan Delay dagegen zum Flashgott: “Ich weiß, daß es da oben jemand gibt. Kein Plan ob Mensch, ob Tier, ob Frau, ob Typ.” (Searching for the Jan Soul rebels, 2001) oder beschließt gemeinsam mit Tropf und Denyo als Beginner “God is a music”: “Lieber Herr oder Frau Musik, ich möchte ihnen von Herzen danken, da sie irgendwann, irgendwie einmal das allerderbste erfanden.” Dem bleibt nichts mehr hinzuzufügen.

Coming soon: Teil 3 – Der Rapper und die große Liebe

Nachlesen: Teil 1 – Der Rapper und die Mutter

5 Antworten zu “Johannas kleine Hip Hop Schule Teil 2 – Der Rapper und der liebe Gott”


  1. 1 MC Winkel 13. Juli 2008 um 20:29

    Großartiger Beitrag. Super recherchiert und interessant zusammengestellt. Echt gut gemacht, Chapeau!

  2. 2 märtin 14. Juli 2008 um 08:42

    stimmt, sehr schönes ding! wie ist das eigentlich mit satanischem hip-hop? im metal gibt es ja neben den überzeugte nchristen (http://www.stryper.com/gallery_promo.html) noch ihre panda-bär-bemalten bösen pendants (http://www.gorgoroth.org/gallery/gallery.html). gibts das auch beim rap?

  3. 3 Johanna 14. Juli 2008 um 15:01

    @ MC Danke, danke! Hat aber auch Spass gemacht.

    @ märtin puh ha, da bin ich ehrlich gesagt überfragt, aber vorstellen kann ich mir das nicht so richtig.

  4. 4 Kaal 15. Juli 2008 um 12:13

    Ich schließe mich den vorherigen Lobern an. Bin schon gespannt auf den 3. Teil.


  1. 1 Johannas kleine Hip Hop Schule Teil 3 - Der Rapper und die große Liebe « JOHANNA SEZ Trackback zu 3. August 2008 um 17:44

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