Fettes Brot sez: “Klar, manchmal entzündet sich was, schwillt an und wird schwarz, doch ich geh’ nicht zum Arzt! Und wir gehn nicht zum Arzt!” (”Und ich geh nicht zum Arzt”, Aussen Top Hits, innen Geschmack, 1996, Alternatio/EMI)
Johanna sez:
Zum Arzt gehen wir nicht, wir gehen lieber mal zu Heilpraktiker, immerhin gibt es davon in Deutschland mittlerweile über 20 000. Grundsätzlich ist es mir ja einerlei, wer wie wo herumdoktort. Es muss ja auch jeder für sich selbst entscheiden, ob er auf Therapieansätze vertraut, die – zu mindest in Bezug auf die Homöopathie – bislang in keiner ernstzunehmenden klinischen Studie irgendeinen messbaren Erfolg erzielen konnten und deren Grundzüge auf einem Irrtum beruhen. Wie mein Vater, niedergelassener Arzt für Allgemeinmedizin, zu sagen pflegt: “Die meisten Krankheiten heilen ohnehin von selbst.”
Doch als ich kürzlich in der Auslage eines Buchladens ein Werk mit dem Titel “Borreliose natürlich heilen” entdeckte, staunte ich nicht schlecht. Borrellien, die Erreger der Borreliose, sind Baktieren, die durch einen Zeckenbiss übertragen werden können. Typische Sypmtome, die auf eine Erkrankung hinweisen sind Fieber und Gelenkschmerzen, zu dem gibt es zahlreiche weitere Erscheinungen. Wird die Borreliose nicht frühzeitig antibiotisch bekämpft, kommt es zu einer chronischen Infektion, bei der es schubweise immer wieder zu Krankheitssymptomen kommen kann. Die Erreger sind dann für eine antibiotische Therapie schwerer zugänglich. Gerade aber diese Therapie wird vom Autor, Wolf-Dieter Storl, seines Zeichen promovierter Humanantropologe und Ethnobotaniker, derzeit freier Schriftsteller auf einem Einödhof im Allgäu, abgelehnt. Stattdessen soll man sich auf neben der Homöopathie auf chinesische Medizin, idianisches Heilwissen und westliche Heilkräuterkunde verlassen.
Gefährlichen Infektionskrankheiten mit Heilpraxis zu Leibe zu rücken, finde ich mehr als nur bedenklich! Leider ist dieser Ansatz unter vielen Heilpraktiker weit verbreitet. So wird auch immer wieder die Notwendigkeit von Impfungen kategorisch abgelehnt. Ein flächendeckender Impfschutz ist aber die Grundlage dafür, dass sich gefährliche und hochansteckende Krankheiten nicht ausbreiten können.
Ich möchte niemandem das Recht absprechen, sich alternativen Behandlungsmethoden zu unterziehen, falls er dies für sich persönlich als richtig erachtet. Sicherlich gibt es Fälle, in denen die Schulmedzin an ihre Grenzen stösst und alternative Medizin zusätzliche Optionen bietet. Andererseits ist es aber ebenso wichtig, dass Heilpraktiker erkennen, wann die Grenzen von Kügelchen, Kräutern und Co erreicht sind und einsehen, dass sich Krankheiten wie Borreliose eben nicht natürlich heilen lassen.

hey joschi,
ich geb dir recht! man sollte seine grenzen kennen und es geht nicht darum gegen irgendwen zu arbeiten sondern miteinander. Borreliose ist nicht witzig und auf jeden Fall schulmedizinisch zu behandeln. Das ist übrigens auch das, was ich im Studium gelernt habe.
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Na, da bin ich aber froh!
ich habe gerade noch gelernt (aus deinem verlinkten text), dass schulmedizinisch ein schimpfwort ist *g*. Uuups. Das hab ich aber nicht als schimpfwort gemeint.
Hm, das wusste ich jetzt auch nicht… Finde ich eigentlich ja auch gar nicht.
Hey, neues Bild!