Snoop Dogg sez: “Yeah, I love my momma , Through all the drama, I love my momma” (”I love my momma”, Top Dogg, 1999, Priority R/EMI)
Johanna sez:
So gering der Rapper im Allgemeinen die Frauen schätzt so sehr überschlägt er sich, wenn es darum geht die eigene Mutter zu preisen. Besonders ausgeprägt findet sich dieses Phänomen im amerikanischen Hip Hop, wo sich zahlreiche solcher Lied gewordener Huldigungen finden lassen. Prominente Beispiele sind Snoop Dogg (”I love my momma”), Jay-Z (”Momma loves me”), 2Pac (”Dear Mama”) und nicht zu letzte Kanye West (”Hey Mama”), dessen Inspiration zu diesem 2005 auf “Late registration” erschienen Song, seine Mutter Donda West, 2007 tragischerweise nach einer Fettabsaugung verstarb.
Andere Rapper verbindet ein etwas unglücklicheres Verhältnis mit ihrer Mutter. Bestes Beispiel ist hier sicher Eminem, der seiner Erzeugerin Debbie Gibson, gleich in mehreren Songs (“Kill you”, “Cleaning out my closet”) und in Interviews Selbstsucht, Vernachlässigung und Drogenabhängigkeit unterstellt. Daraufhin wird er von ihr 1999 auf stolze 10 Millionen $ verklagt. Die Klage wird jedoch fallen gelassen und man einigt sich auf 10.000 $. 2006 kommt es zur Versöhnung, allerdings erst nachdem Debbie unheilbar an Brustkrebs erkrankt ist.
Im deutschen Hip Hop war lange Zeit wenig die Rede von der eigenen Mutter. Vielmehr bezog man sich hier gerne auf die Mütter anderer, denen man im Allgemeinen wenig Respekt entgegen brachte, im Gegenteil: Der Gegenüber wurde dazu aufgefordert Geschlechtsverkehr mit der eigenen Mutter zu haben. Chef-Gangsta-Rapper und Teenie-Star Bushido prägte hier sogar den Begriff des Fick-Deine-Mutter-Slang. Diese Ansage ist allerdings keinesfalls darauf zurückzuführen, dass es sich bei der Mutter des anderen um ein besonders attraktives Exemplar handelt, eine sogenannte MILF (”Mother I’d like to fuck”, Dog eat dog). Mit dem Satz “Fick deine Mutter” möchte, der Rapper oftmals eine unerwünschte Diskussion beenden oder auf provokante Weise darauf hinweisen, dass ihm etwas gleichgültig ist. Hierbei wird dann auch gerne die harmlosere Variante “Deine Mutter” (siehe beispielsweise auch Deine Mutter Records) verwendet, nachzuhören bei den inzwischen leider verschollenen Hip Hop Urgesteinen Fünf Sterne Deluxe, “Ja, Ja, deine Mudder”.
Doch was ist mit der eigenen Mutter des deutschen Rappers? Der sonst so harte Bushido wird bei diesem Thema zu mindest in Interviews gerne sentimental, denn mit seiner Mutter fühlt er sich seelisch am engsten verbunden. Kein Wunder, sind die beiden doch Nachbarn und lässt Bushido sich noch von Mama bekochen, seine Wäsche waschen und das Bettchen machen. Und auch Schussopfer Massiv lässt sich gerne von seiner Mutter ein Tässchen Tee servieren während er Songs über Hurensöhne, Schlampen, Blut, Messer und Krieg textet.
Doch während die Mütter von Bushido und Massiv die Werke ihrer Söhne einerseits als den letzten Scheiss bezeichnen, andererseits zu mindest sorgenvoll mit dem Kopf schütteln. Bekommt ein anderer deutscher Rapper seit jeher alle Unterstützung von seiner Mutter, die er braucht. Die Rede ist vom Maskenmann Sido, der ihr dafür mit “Mama ist stolz auf mich” ein Denkmal setzt. Auch sein neues Album “Ich und meine Maske” hat Sido als erstes seiner Mama vorgelegt. Ihr Urteil: “Sehr gut, sehr erwachsen”. Da können wir ihr (größtenteils zu mindest) nur zustimmen.
Coming soon: Teil 2 – Der Rapper und der liebe Gott
Wow, sehr nice!
Aber: ich finde Sidos neue Platte eher enttäuschend. Dieselbe Platte jetzt das dritte Mal rausgebracht. Aber gut, verkauft sich ja.
@Mc Winkel:
1. Danke!
2. Leider muss ich gestehen, dass ich es zuvor nicht so mit Sido hatte und deswegen gar nicht beurteilen kann in wie fern die aktuelle Platte den alten ähnelt, aber werde das bei Zeiten nachholen.
Guter Artikel, Jo! Nur mit Sido gehe ich auch nach wie vor nicht ganz d´accord, aber das ist ja bekannt.
Ja, das ist bekannt und da habe ich auch keine großen Hoffnungen, dass das nochmal was wird mit euch beiden. Aber macht ja nix!
sehr kühl, johanna!
ich merke, ich kann hier noch viel lernen, bevor ich das kinderzimmer stürme und “kannst du diese schreckliche musik mal etwas leiser machen? DANKE!” brülle.
so wie meine mutter damals, als ich sie mit the clash und den sex pistols in den wahnsinn getrieben habe. aber die hatte ja auch “total keine ahnung”!