Styx sez: „Take me back to my boat on the river (…). Time stands still as I gaze in her waters. She eases me down, touching me gently. With the waters that flow past my boat on the river.“ („Boat on the river“, Cornerstone, 1979)
Johanna sez:
Paddeltour 2008 – Review
Freitag, 06.06.2008
In aller Frühe machten wir zehn unerschrockenen Stadtkinder uns auf in die branden-/mecklenburgische Wildnis auf der Suche nach unberührter Natur und jeder Menge Abenteuern. Boote waren aufgrund generalstabsmäßiger Organisation dank kommt-mit.de bereits reserviert und wurden beim Verleih Kanatu (sehr empfehlenswert) im beschaulichen Priepert entgegen genommen. Neben umfangreicher Zusatzausrüstung wurden wir hier auch bestens mit allen Informationen bezüglich Route und Überleben in freier Wildbahn versorgt. Dass uns die Technik der Eskimorolle nicht erklärt wurde, ließ mich hoffen, dass man in einem Kajak doch nicht wie befürchtet permanent Gefahr läuft zu kentern.
Es konnte also losgehen. Nachdem ich unbeschadet ins Boot geklettert war und wir fünf Minuten vor uns hingepaddelt hatten, wurde mir langsam klar, dass dieser Trip eventuell irgendwie körperliche Anstrengung mit sich bringen würde. Eine Stunde und diverse Raufereien mit dem Liebsten bezüglich der richtigen Steuerungstechnik später, prangte an meinem zarten Chirurgen-Daumen eine Blase! Zum Glück konnte ich diese bei der Rast beim Fischer mit einem Bierchen kühlen. Während die anderen Unmengen von Fischfrikadellen und Schillerlocken (enthäutete, heißgeräucherte Bauchlappen des Dornhais, ürks) einverleibten, blieb ich bei der unschlagbaren Kombination aus Bier und Eis.
Leicht angeschickert ging es weiter in die Tiefen des mecklenburgischen Dschungels – durch die Schwanenhavel. So müssen sich die spanischen Eroberer bei der Erstdurchquerung des Amazonas gefühlt haben!
Nach vielen harten Paddel-Stunden (fünf reale, gefühlte zehn) und einer Umtragestelle, die uns klar machte, warum Boote einfach ins Wasser gehören, erreichten wir den ersten Zeltplatz im zauberhaften Wustrow, wo wir zwischen Obstbäumen unser Nachtlager aufschlugen. Äußerst schmackhaftes Abendmahl aus Miracoli (im EM-Design) einerseits und Kartoffeln pur andererseits. Abendprogramm: Die Mädchen müssen am Strand Feuer machen, während die Jungens skeptisch zuschauen. Verkehrte Welt! Aber es hat gebrannt, wider Erwarten wurden wir nicht verhaftet und abgeführt, und beim Marshmallow grillen, waren die Herren dann natürlich doch wieder mit dabei. (Falls in Wustrow jemand Teile seines Zaunes vermisst, wir haben nichts damit zu tun!) Eine gute Menge Jägermeister später sprangen dann noch zwei betrunkene, völlig bekloppte junge Damen in Unterwäsche in den See. Skandalös diese Jugend auf dem Land!
Samstag, 07.06.2008
Das Erwachen im plötzlich saunaähnlichen Zelt war am nächsten Morgen nicht für jeden ein ganz glückliches. Entsprechend schleppend gingen die Frühstücks- und Aufbruchsarbeiten voran. Doch irgendwann erreichten wir wieder offene See. Irgendwie fehlte allerdings der richtige Drive. Dennoch erstaunlich wieviel man voran kommt, wenn man sich einfach treiben lässt. So paddelten wir je nach Gemütslage gemütlich, bis extrem gemütlich, bis fast gar nicht vor uns hin. Der Strömung und dem Wind sei dank kamen wir dann doch irgendwie an einen Campingplatz, manche zwar später als andere, aber schließlich ist der Weg ja das Ziel. In der brennenden Mittagssonne auf einem Steg Doseneintopf zuzubereiten, stellte sich als schweisstreibende Angelegenheit heraus. Der Rest des Tages verging ähnlich entspannt wie er begonnen hatte. Beim abendlichen Hinauspaddeln und Sonnenuntergang bewundern, kamen wir uns einmal mehr wie einer Becks-Reklame entsprungen vor.
Sonntag, 08.06.2008
Dank zeitigem Einschlafen waren die meisten energiegeladener als einen Tag zuvor. Einige begannen den Tag sogar mit einer Yoga-Session: Sonnengruß an den See. Während andere nur ein Zeil hatten: Kaffee kochen. Irgendwie war leider so gar keine Wolke mehr am Himmel in Sicht, so dass die Nutella bereits beim Frühstück vom Brot tropfte.
Todesmutig stürzten wir uns jedoch in unsere letzte Paddel-Etappe. Zwischenzeitlich übermannte mich das Gefühl mein Hirn würde demnächst in meinem Schädel anfangen zu kochen ähnlich dem Doseneintopf vom Vortag, aber nach stundenlangem Suchen („Anlegen verboten“, „Nur für Hausgäste“, „Privatsteg“) hatten wir endlich eine Badestelle gefunden, was sicher den ein oder anderen vor einem Sonnenstich bewahrt hat.
Vier Stunden, zwei Schleusen (weniger spektakulär als erwartet) und eine Stärkung am Piratengrill später, waren wir dann wieder zurück in Priepert. Komisch auf einmal das Boot zurück zu lassen. Anstregend und irgendwie befremdlich kam mir auch der Weg in die Zivilisation zurück vor. Abends im Bett konnte ich noch das Schaukeln des Bootes spüren.















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