Archiv für 3. Juni 2008

Die Invasion der Sommer-Song-Mädchen

Sara Bareilles sez: I’m not gonna write you a love song, ’cause you asked for it, ’cause you need one“ („Love Song“, Little Voice, 2008, Sony BMG)

Johanna sez

Na, wenn die Sara sich da mal nichts vormacht, denn ganz wie der Titel es verspricht handelt es sich bei „Love Song“ natürlich um nichts anderes als ein Liebeslied. Damit kann Sara ein Häkchen im Kästchen Liebeslied machen und muss nur noch zwei Kriterien erfüllen, um als waschechtes Sommer-Song-Mädchen durchzugehen. Zweitens ist es dringend geboten, dass der Titel eine schungvolle, positive Melodie aufweist, die man automatisch mitsummen muss und die sich im Kopf festsetzt wie ein
alter Kaugummi an der Schuhsohle – ein weiteres Häkchen für Sara. Das dritte Kriterium muss nicht zwangsläufig erfüllt werden, macht sich aber musikvideotechnisch wunderbar: Das Sommer-Song-Mädchen sollte ein Instrument, bevorzugt Klavier oder Gitarre beherrschen. Blasinstrumente sind hier weniger telegen und Schlaginstrumente könnten zu flott, die sommerliche Beschwingtheit niederknüppeln. Doch zum Glück kann Sara Piano spielen und trägt somit das Gütesiegel waschechtes Sommer-Song-Mädchen. Wer kein Instrument beherrscht kann alternativ im Video allerdings auch entrückt am Strand entlangschlendern oder in Gedanken durch einen Blumenwiese streifen.

Sommer-Song-Mädchen gibt es fast jedes Jahr (Corinne Bailey Rae, Joss Stone, Norah Jones). Meist allerdings nur eins, denn zu viel positive Ohrwurm-Energie konnte der Markt bislang wohl nicht verkraften. Doch dieses Jahr will die Plattenindustrie es wissen. Hier eine Auswahl der diesjährigen Sommer-Song-Mädchen.

Zascha Moktan, „Like U Do“

Zascha singt von der Liebe, Zascha steckt voller Energie, im Video fehlen leider Instrument und verträumte Landschaftsbilder, dafür war Zascha schon mit Alicia Keys auf Tour, was hoffen lässt, dass sie auch einen weiteren Sommer übersteht.

Duffy, „Mercy“

Duffy fehlt leider ein Vor- oder Nachname, ebenso wie ein anständiges Instrument und auch von Strand und Wiese ist weit und breit nichts zu sehen. Dafür bekommt sie Extrapunkte für supernervige Ohrwurm-Garantie. Duffy wäre gern so cool wie Amy Winehouse, aber dafür fehlt ihr ein anständiges Drogenproblem – vielleicht nächstes Jahr Duffy!

Sara Bareille, „Love Song“

Liebe, penetrante Melodie, Klavier, Vollblut-Sommer-Song-Mädchen

Colbie Caillat, „Bubbly“

Colbie und Sara sind mit Sicherheit in der gleichen Fabrik vom Band gelaufen. Liebe, Landschaft, Strand Gittarre, da bleiben keine Wünsche offen.

Kate Nash, „Foundations“

Kate ist die Exotin unter den diesjährigen Sommer-Song-Mädchen. Denn Kate ist Engländerin und das hört man über alle Maßen. Die Melodie ist so leicht und frisch wie ein warmer Sommerregen, so dass man kaum glauben mag, dass Kate hier über eine völlig zerrüttete Beziehung singt, dafür gibt es einen zusätzlichen Pluspunkt.

Und bevor wir sie vergessen: Yael Naim, „New Soul“

Ja, das ist die aus der MacBook Air Werbung! Aufgrund des größten Nervfaktors schlägt sie alle anderen!


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