Sido sez: „Ich sitz im park und chille. Ich genieß die Freizeit. Dann kommt ne Ökotante zu mir mit ihrer Weisheit. (…) Sie sagt: Die armen Wale, Ich sag: Du arme Sau. Sie will, dass ich die Welt rette. Ich sage: Ja genau. Sie sagt sie will nur helfen. Ich sag: Das ist Wahnwitz. Ach komm halt einfach dein Maul du weißt gar nix.“ („Halt Dein Maul“, Ich & Meine Maske, 2008, Universal)
Johanna sez
Jetzt mal Hand aufs Herz, wer von Euch musste bei diesen Zeilen nicht vielleicht doch ein klitzekleines bißchen schmunzeln, hm?
Wie der Zufall es wollte hört ich eben jenen Text, als ich letztes Wochenende durchs Brandenburger Tor radelnd beinahe in ein Weltverbesserer-Päarchen umnietete. Die beiden herzallerliebst im Partner-Look. Sie ein Shirt mit der Aufschrift: „Massentierhaltung – Nein Danke!“. Er ging noch ein Stück weiter, den auf seiner Hühnerbrust prangte in großen Lettern: „Lass keine Tiere leiden – Lebe vegan“. Plötzlich bereute ich, in letzter Sekunde ausgewichen zu sein. Doch wieso?
Ich bin approbierte Tierärztin. Laut Berufsordnung bin ich somit berufener Schützer der Tiere. Ich mag Tiere – (fast) alle. Was also bringt mich an den selbsternannten Tierschützern so auf die Palme?
Jeder kennt all die zahlreichen Stände der einschlägigen Vereine die bevorzugt an Engpässen des Personennahverkehrs aufgeschlagen werden. Dort lauern sie, um einen in einem unachtsamen Moment mit einem penetranten „Magst du Tiere?“ aus der Bahn zu werfen. Inzwischen antworte ich meist nicht mehr. Es sei denn, ich habe schlechte Laune, dann schmettere ich ihnen ein ordentliches „NEIN!“ entgegen. Doch als ich noch jung und unbescholten, grade frisch nach Berlin gezogen war, erlag ich einem besonders niedlichem, männlichen Exemplar, der mich mit den üblichen Bildern grausamster Massentierhaltung konfrontierte und ehe ich mich versah spendete ich 5 Mark im Monat von meinem spärlichen Studentenbudget für die Errettung der Tierwelt und war damit Mitglied bei 4 Pfoten e. V.. Es dauerte einige Jahre, bis ich es schaffte auszutreten.
Der Deutsche Tierschutzbund zählt sage und schreibe 800.000 Mitglieder. 5 Millionen unterstützen weltweit den WWF. Die Spendenbereitschaft ist allseits groß. Schließlich lassen sich die paar Euro im Monat auch prima wieder einsparen, wenn beim wöchentlichen Großeinkauf zur Billig-Pute aus der Discounter-Kühltheke gegriffen wird, anstatt zur teuren Bio-Variante.
Doch leider gibt es beim Tierschutz kein Äquivalent zu „klimaneutral“. Wirklich etwas zu verändern, ist deutlich schwerer, als monatlich Geld abbuchen zu lassen. Auch der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittelgruppen hilft hier meiner Meinung nach wenig. Sich wirklich um Tierschutz zu bemühen, heisst für mich hinzusehen und sich bewusst zu werden, dass bei einem Einkaufs-Milchpreis von 37 Cent/Liter die Haltungbedingungen auf der Strecke bleiben und dass Fleisch eben dummerweise nicht auf Bäumen wächst. Wenn die Bereitschaft des Verbrauchers steigen würde, für hochwertige Lebensmittel auch angemessene Preise zu zahlen, wäre der Tierwelt sicher mehr geholfen, als mit scheinheiligen Ablasszahlungen zum Schutz bedrohter Tierarten.

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