Johanna sez:
und der Rest hört staunend zu
Johanna sez:
Oktober
Als ich das Büro verlasse ist es dunkel. Während ich die Einkäufe vom Supermarkt nach Hause schleppe, beginnt es mir auf den Kopf zu nieseln und ich fühle mich zunehmend schwach und abgeschlagen. Denke immer öfter darüber nach mehr Zeit im Bett oder auf dem Sofa zu verbringen. Freizeitaktivitäten werden plötzlich vom Wetter abhängig gemacht.
November
Ich reaktiviere alte Auswanderungspläne. Spätestens nach einer Woche wird mir bewusst, dass diese unrealitisch sind. Beginne Lotto zu spielen. Als ich nach einer Woche den Jackpot immer noch nicht geknackt habe, hadere ich mit meinem Schicksal und werde unleidlich. Inzwischen verbringe ich tatsächlich viel Zeit im Bett oder auf dem Sofa. Ich weine schnell und viel, gerne auch ohne jeden erkennbaren Anlass.
Dezember
Die Adventszeit reisst mich aus der beginnend Winterdepression. Nun bin ich viel zu beschäftigt damit, mich im Weihnachtshass zu suhlen und anderen die besinnliche Stimmung zu versauen. Zu Weihnachtsliedern heult es sich auch so schlecht. Außerdem macht die Trinkerei und Fresserei anlässlich der diversen Feierlichkeiten phlegmatisch. Die erhöhte Schokoladenzufuhr tut ihr übriges.
Januar
Der erste Januar ist geprägt von körperlichem Leid, der Restmonat von seelischem. Ich möchte die Welt aus meinem Leben aussperren und verlasse meine vier Wände nur noch mit übermenschlicher Anstrengung. Ich bin unzufrieden mit allem und jedem, am meisten aber mit mir selbst. Da ich das natürlich nicht zugeben kann, fange ich grundlos Streit mit Freunden und Familie an. Nachdem ich so alle in die Flucht geschlagen habe, fühle ich mich einsam und ungeliebt und die Heulerei geht wieder los.
Februar
Freunde haben sich angewandt und der Liebste denkt vermutlich darüber nach eine Affäre mit einer Frau zu beginnen, die wenigstens noch einen Funken Lebensfreude in sich trägt. Geheult wird nicht mehr. Dafür bin ich viel zu lethargisch. Eine kurzfristige Hochphase verpufft so schnell, wie sie gekommen ist. Meine Freizeit verbringe ich wahlweise in der Badewanne oder im Bett.
März
Ab und an spüre ich, dass doch noch etwas Leben im meinem schlaffen Leib stecken muss. Will mir und meinem Umfeld aber nicht zu früh oder gar falsche Hoffnungen machen, so bleibe ich sicherheitshalber noch eine Weile trübsinnig und launisch. Als Ende des Monats zu meinem Geburtstag aber wider Erwarten doch viele Freunde anrufen und mir ausreichend Geschenke gemacht werden, beschließe ich, dass es Zeit ist ins Leben zurückzukehren. Bis zum nächsten Winter.
Johanna sez:
Falls ich euch genauso fehle, wie ihr mir, dann seht hier, was mich den ganzen Tag von euch fernhält.
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